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Robert Todd Carroll

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Hypnose

Hypnose ist ein Prozess, an dem ein Hypnotiseur und eine Testperson beteiligt sind, welche zustimmt, hypnotisiert zu werden. Der Zustand der Hypnose weist normalerweise Anzeichen auf von a) intensiver Konzentation, b) nahezu vollständiger Entspannung, und c) starker Beeinflussbarkeit. Hypnose ist weit verbreitet in der Verhaltenstherapie, um Patienten zu helfen, Phobien zu bewältigen oder schlechte Angewohnheiten loszuwerden. Sie wird aber auch für andere, umstrittenere Dinge verwendet.

Die Vielseitigkeit der Hypnose ist unübertroffen. Sie findet statt unter außerordentlich verschiedenen Bedingungen, so etwa auf der Bühne, im Krankenhaus, in der Klasse oder auf dem Polizeirevier.

  • Bühnenhypnotiseure arbeiten für gewöhnlich in Bars und Clubs. Ihre Testpersonen sind meist Leute, die Spaß daran haben, mit Dutzenden oder Hunderten anderer Menschen einen Ort aufzusuchen, wo die Stimmung vor allem durch Alkohol erzeugt wird.
  • Die Patienten von Hypnosetherapeuten sind in der Mehrzahl Menschen, die davon gehört haben, dass Hypnotherapie Schmerzen lindern oder eine Sucht oder irrationale Angst beseitigen kann. Andere erwarten von der Hypnose, verdrängte Erinnerungen wieder wachzurufen, etwa von sexuellem Missbrauch oder von früheren Inkarnationen.
  • Parapsychologisch denkende Hypnotherapeuten fördern die Hypnose als ein Mittel zur Entdeckung okkulter Wahrheiten, versteckt hinter dem normalen Bewusstsein.
  • Und schließlich handelt es sich bei einigen Hypnotisierten um Leute, die Opfer oder Zeugen eines Verbrechens waren, sich aber nicht an genügend Details erinnern können, um die Ermittlungen voranzubringen. Die Ermittler fordern sie dann eventuell auf, sich hypnotisieren zu lassen, um "dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen".

Welche andere medizinische Technik ist heutzutage derart vielseitig vewendbar?

Die übliche Einstellung zur Hypnose ist, dass es sich bei ihr um einen trance-gleichen veränderten Bewusstseinszustand handelt. Viele, die diese Annahme akzeptieren, glauben auch, Hypnose sei eine Methode, um ein Unterbewusstsein voller unterdrückter Erinnerungen, multipler Persönlichkeiten, mystischer Eingebungen oder Erinnerungen an frühere Inkarnationen zu erreichen. Diese Auffassung von der Hypnose als einem veränderten Bewusstsein und Königsweg zu okkultem Wissen über das Selbst und das Universum wird jedoch von vielen Psychologen als purer Mythos abgetan.

Es gibt zwei unterschiedliche, wenn auch verwandte Aspekte in dieser mythischen Definition der Hypnose: Der Mythos des veränderten Bewusstseinszustandes und der Mythos des verborgenen Unbewussten.

Die Vertreter der Theorie von der Bewusstseinsveränderung legen häufig Studien vor, die zeigen, dass während der Hypnose a) die gehirnelektrischen Ströme sich verändern und dass sich b) die Gehirnwellen von denen des Wachzustandes unterscheiden. Die Kritiker dieser Ansicht weisen darauf hin, dass diese Fakten belanglos für die Feststellung sind, Hypnose sei ein verändertes Bewusstsein. Man könne mit dem gleichen Recht Tagträume oder Niesanfälle verändertes Bewusstsein nennen, da beide von veränderten Gehirnströmen begleitet werden und sich die Gehirnwellen von denen anderer Tätigkeiten unterscheiden - etwa ein Flugzeug steuern oder in eine lebhafte Diskussion mit einem Opfer außerirdischer Entführungen verwickelt sein.

Die Anhänger der Theorie vom verborgenen Unbewussten unterstützen ihre Überzeugung mit Anekdoten über zahlreiche Menschen, die sich unter Hypnose an Ereignisse aus diesem oder einem früheren Leben erinnern, an die sie keine bewusste Erinnerung haben.

Der Großteil dessen, was man über Hypnose weiß - im Gegensatz zu dem, was viele glauben - stammt aus Untersuchungen über die Testpersonen selber. Man weiß, dass es eine signifikante Korrelation zwischen einer lebhaften Fantasie und der Empfänglichkeit für Hypnose gibt; ebenso steht fest, dass fantasievolle Menschen hervorragende Testpersonen für Hypnose abgeben. Ein produktives Vorstellungsvermögen erhöht die Empfänglicheit, und es ist klar, dass diejenigen, die Hypnose für Unsinn halten, nicht hypnotisiert werden können. Es steht weiterhin außer Frage, dass hypnotisierte Menschen nicht in Zombies verwandelt und von ihrem Hypnotiseur kontrolliert werden können. Hypnose ist nicht in der Lage, die Genauigkeit des Gedächtnisses auf irgendeine besondere Weise zu erhöhen. Aber ein Mensch unter Hypnose ist sehr leicht beeinflussbar und lässt sich Lücken in seiner Erinnerung sehr leicht von seiner Fantasie und Vorschlägen des Hypnotiseurs "ergänzen". Konfabulation, das Füllen von Gedächtnislücken mit erfundenem material, ist ebenfalls recht häufig unter Hypnose. Viele Gerichte lasssen daher keine unter Hypnose gewonnenen Zeugenaussagen zu, da diese grundsätzlich unzuverlässig sind.

Wenn Hypnose also weder veränderter Bewusstseinszustand noch Tor zu einem mystischen und verborgenen Unbewussten ist, was ist sie dann? Warum geben so viele Leute, darunter Autoren von Psychologielehrbüchern oder Wörterbucheinträgen, die mythische Sicht der Hypnose weiter, als handele es sich um etablierte wissenschaftliche Erkenntnisse? Zum Einen verbreiten die Massenmedien den Mythos in zahllosen Filmen, Büchern und Fernsehsendungen. Zum Anderen gibt es eine gut verschanzte Gruppe von Hypnotherapeuten, die daran glauben, die davon gut leben und die viele Auswirkungen ihrer Sitzungen - von ihrem Standpunkt aus - nur als "Erfolge" bezeichnet können. Sie können sogar eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen vorlegen. Andere Psychologen, wie etwa Robert Baker, sind der Meinung, diese Studien seien in etwa so aussagekräftig wie diejenigen, die die Existenz des Äthers unterstützten.

Baker nimmt an, dass die sogenannte Hypnose in Wirklichkeit eine Art erlerntes Sozialverhalten darstellt. Der Hypnotiseur und die Testperson lernen, was von ihren Rollen erwartet wird und bestärken sich gegenseitig bei der Durchführung. Der Hypnotiseur suggeriert etwas, und der Hypnotisierte antwortet auf diese Suggestionen. Alles Übrige - die Wiederholung von Geräuschen und Gesten seitens des Hypnotiseurs, seine sanfte, einschmeichelnde Stimme und die trance- oder schlafähnliche Ruhe der Testperson - sind lediglich Staffage, Teil des Dramas, das Hypnose mysteriös wirken lässt. Wenn man diese theatralischen Elemente außer acht lässt, dann bleibt etwas übrig, das ziemlich gewöhnlich, wenn auch außerordentlich nützlich ist: Ein selbst herbeigeführter "aufgedrehter" Zustand der Beeinflussbarkeit.

Der Psychologe Nicholas Spanos stimmt Baker zu: "Hypnotische Vorgänge beeinflussen das Verhalten indirekt durch die Veränderung der Motive, Erwartungen und Interpretationen der Testperson." Das hat nichts mit dem Versetzen der Testperson in eine Trance oder der Kontrolle über das Unterbewusste zu tun. Hypnose ist ein erlerntes Verhalten, so Spanos, das aus einem sozio-kognitiven Kontext entsteht. Man kann dieselben Dinge auf andere Art erreichen: durch den Schulbesuch, das Lesen eines Buches, Fortbildungen oder Selbstlernen einer neuen Fähigkeit, eine aufmunternde Rede (von anderen gehört oder im Selbstgespräch erfahren), ein Motivationstraining oder einfach dadurch, dass man einen festen Entschluss fasst, bestimmte Ziele zu erreichen.

Kurz, was allgemein Hypnose genannt wird, ist tatsächlich eine Art schweigender Zustimmung und kein einzigartiger Zustand des Bewusstseins. Die Testperson handelt gemäß der Erwartungen des Hypnotiseurs und der Situation und verhält sich so, wie sie sich während einer Hypnose verhalten zu müssen glaubt; der Hypnotiseur handelt gemäß der Erwartungen der Testperson (und/oder des Publikums) und der Situation und verhält sich so, wie er sich in der Rolle des Hypnotiseurs verhalten zu müssen glaubt.

Spanos vergleicht die Beliebtheit der Hypnose mit dem Phänomen des Mesmerismus, im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Weiter bildet er eine Analogie zwischen dem Glauben an die Hypnose und dem an dämonische Besessenheit und Exorzismus. All diese kann man im Rahmen des sozio-kognitiven Kontextes erklären. Die Rollenvorstellungen der Beteiligten sind erlernt und werden von dem jeweiligen Umfeld bestärkt, und sie sind kontextabhängig und stehen und fallen mit der Bereitschaft der Beteiligten, ihre etablierten Rollen zu spielen. Mit genügend Unterstützung durch hinreichend viele Menschen in einem sozialen Umfeld kann so ziemlich jede Idee oder jedes Verhalten von der wissenschaftlichen, religiösen oder sozialen Gemeinschaft eisenhart als Dogma verteidigt werden.

Ein anderer Psychologe, E.M. Thornton, baut diese Analogie zwischen Hypnose, Mesmerismus und Exorzismus weiter aus. Er stellt dar, dass Hypnotisierte im Grunde genommen aufgefordert werden, etwas darzustellen, was "in Wirklichkeit auf eine Parodie von epileptischen Symptomen hinausläuft." Wenn manche hypnotisierten oder mesmerisierten Menschen besessen erscheinen, dann liegt das daran, dass die Besessenheit einen ähnlichen sozio-kognitiven Kontext, ein ähnliches Rollenspiel und eine vergleichbare Beziehung beinhaltet. Die Glaubenssätze sind unterschiedlich, und die zentrale Idee des veränderten Bewusstseins, des animalischen Magnetismus oder der einfahrenden Dämonen gibt diesen Erfahrungen ihren besonderen Charakter. Im Kern jedoch haben Hypnose, Mesmerismus, Hysterie und dämonische Besessenheit grundlegende Gemeinsamkeiten: Sie sind soziale Konstrukte, errichtet vor allem von egozentrischen Therapeuten, Entertainern und Priestern auf der einen sowie beeinflussbaren, fantasievollen und für Wahnvorstellungen anfälligen Mitspielern mit tiefen emotionalen Bedürfnissen oder Fähigkeiten auf der anderen Seite.

Viele von denen, die die mythische Ansicht der Hypnose vertreten, verwenden sie, um unterdrückte Erinnerungen an Traumata aufzudecken, die für die Wurzel der meisten psychologischen Probleme gehalten werden. Um die Patienten von ihren Problemen zu befreien, müsse die Kellertür zum Unterbewussten geöffnet und die Erinnerungen an Traumata (vom Therapeuten meist in Form von sexuellem Missbrauch in der Kindheit vermutet) heraus und an die Oberfläche gebracht werden. Hypnose ist ein Lieblingswerkzeug solcher Therapeuten, da sie glauben, durch sie direkt mit dem Unterbewussten kommunizieren zu können. Viele der "Erinnerungen", die auf diese Art ans Licht gebracht werden, erweisen sich später als falsche Erinnerungen, hervorgerufen durch Suggestionen und Konfabulation. Außerdem passen die grundlegenden Annahmen dieser Art von Therapie nicht zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Funktionsweise des Gedächtnisses (Schacter).

Menschen, die ein traumatisches Erlebnis hatten, vergessen es normalerweise nicht. Extrem traumatische Erfahrungen werden meist nur vergessen, wenn a) die Person zum Zeitpunkt des Traumas bewusstlos war; b) die Person vor dem oder durch das Trauma eine Hirnschädigung erfährt; c) die Person zu jung ist, um die notwendigen neuralen Verbindungen für das Langzeitgedächtnis zu knüpfen. Erinnerungen werden nicht in einem muffigen, geheimnisvollen Keller aufbewahrt, sondern in einem neuralen Netzwerk, das sich über mehrere Teile des Gehirns erstreckt. Gedächtnisverlust tritt ein, weil neurale Verknüpfungen verlorengehen, nicht weil irgendein kleiner Mann sie im Untergeschoss des Verstandes aufbewahrt und sie gelegentlich freilässt, damit sie bei den Leuten in der Oberwohnung herumspuken, wo das klare Bewusstsein sitzt.

Daniel Schacter betont, dass die wissenschaftlichen Belege für Verdrängung schwach sind. Noch schwächer sind die Belege dafür, dass bestimmte Fehlfunktionen durch Unterdrückung von Erinnerungen verursacht werden. Schacter berichtet von einem Vergewaltigungsopfer, das sich nicht an das Verbrechen erinnern konnte. Das Verbrechen fand auf einem Kopfsteinpflaster statt [im Original "brick pathway", A.d.Ü.]. Die Worte 'brick' und 'pathway' schossen der Frau immer wieder durch den Kopf, aber sie brachte sie nicht in Zusammenhang mit der Vergewaltigung. Sie wurde allerdings sehr aufgewühlt, wenn man sie zum Ort des Verbrechens führte, aber sie erinnerte sich nicht, was dort geschehen war (Searching for Memory, S. 232).

Man könnte nun annehmen, das Opfer habe in Wirklichkeit eine voll entwickelte Erinnerung an die Vergewaltigung und habe sie nur verdrängt. Vielleicht also wäre Hypnose angemessen, um diese unterdrückte Erinnerung an die Oberfläche zu bringen. Hypnose und andere Behandlungsmethoden auf dieser Basis sind sowohl riskant als auch ohne Grundlage. Das Konzept der impliziten Erinnerung - Erinnerung ohne Bewusstheit aufgrund der Tatsache, dass einige neurale Verbindungen während eines Traumas entstehen, aber nicht ausreichend viele für eine vollentwickelte Erinnerung - kann die Gedächtnislücke des Vergewaltigungsopfers erklären und kommt ohne die Annahme aus, sie habe entweder Erinnerungen während ihrer Bewusstlosigkeit aufgezeichnet oder besitze sogar ein Unterbewusstsein zur Speicherung solcher unangenehmer Erinnerungen. Dieses Konzept erklärt alles, was über das Gedächtnis bekannt ist und macht keine Annahmen über Dinge, die nicht bekannt sind. Man sollte also Occams Rasiermesser ansetzen, um diesen Teil der mythischen Vorstellung des Unbewussten wegzuschneiden.

Außerdem: Selbst wenn traumatische Erinnerungen gelegentlich verdrängt werden, dann vermutlich bewusst und absichtlich. Viele von uns entscheiden sich, nicht zu lange bei unfreundlichen Erinnerungen zu verweilen und geben sich Mühe, sie so weit wie möglich aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Wir haben wohl kaum den Wunsch, dass unser Hypnotiseur oder Therapeut Erinnerungen an Erlebnisse hervorholt, die wir absichtlich vergessen haben. Kurz, begrenzter Gedächtnisschwund kann am besten neurologisch, nicht metaphysisch erklärt werden. Wir vergessen Dinge, weil wir sie von Anfang an niemals stark genug kodiert haben, weil neurale Verbindungen zerstört wurden oder weil wir uns dafür entscheiden, sie zu vergessen.

Der Begründer der Theorie vom verborgenen Unbewussten, Sigmund Freud, tat klug daran, den Gebrauch der Hypnose in der Therapie aufzugeben. Unglücklicherweise wird sie jedoch in vielen verschiedenen Versionen von Therapie weiter verwendet, und nicht alle davon sind heilsam. Der Einsatz von Hypnose, um Menschen vom Rauchen abzubringen oder bei ihrer Diät zu helfen, ist möglicherweise nützlich und selbst wenn unwirksam vermutlich nicht schädlich. Ähnlich verhält es sich mit Menschen, die sich unter Hypnose etwa an die Autonummern von Fluchtwagen erinnern sollen. Auch der Einsatz von Hypnose, um Verbrechensopfern oder Zeugen zu helfen, sich an die Vorgänge zu erinnern, ist vielleicht nützlich, aber er kann wegen der Leichtigkeit, mit der der Zeuge durch Suggestionen des Hypnotiseurs beeinflusst werden kann, auch gefährlich sein. Übereifrige Polizei-Hypnotiseure könnten durch ihre so gewonnenen Erkenntnisse dazu gebracht werden, ihr Urteil über das zu stellen, zu dem ein faires Verfahren mit soliden Beweisen kommt. Hypnose ist im Polizeibereich auch deswegen gefährlich, weil viele Beamte dazu neigen, an Wahrheitsseren, Lügendetektoren und andere wundersame und leichte Wege der Wahrheitsfindung glauben.

Hypnose zu verwenden, um Menschen dabei zu helfen, Erinnerungen an sexuellen Missbrauch durch Familienmitglieder oder Außerirdische zurückzugewinnen, ist gefährlich und in manchen Fällen eindeutig unmoralisch und menschenverachtend, da sie manchmal dazu eingesetzt wird, damit Patienten sich an Dinge erinnern und für wahr halten, die vermutlich niemals passiert sind. Wären diese Erinnerungen nicht auf derart grauenhafte und schmerzhafte Erfahrungen bezogen, wären sie von geringer Bedeutung; fördern Therapeuten jedoch Wahnvorstellungen von schrecklichen Erfahrungen, dann richten sie oft irreparablen Schaden bei denen an, die ihnen vertrauen. Und all dies geschieht im Namen von Heilung und Pflege, wie schon bei den Priestern früherer Zeitalter, wenn sie Hexen jagten und Dämonen austrieben.

Man sollte darauf hinweisen, dass Therapeuten auch ohne den Einsatz von Hypnose die Beeinflussbarkeit ihrer Patienten erhöhen und ihnen falsche Erinnerungen einpflanzen können. Die Überzeugungen des Therapeuten, was die Ursache der Probleme angeht, sind bedeutsamere Faktoren als der Einsatz oder Nichteinsatz von Hypnose. Therapeutische Schuster, die alles über einen Leisten schlagen (alle Fälle von Bulimie oder multipler Persönlichkeit zum Beispiel gehen auf sexuellen Missbrauch im Kindesalter zurück), werden wahrscheinlich auch ohne Hypnose ihren Patienten falsche Erinnerungen und Überzeugungen aufschwatzen. Eine Suggestion bedarf nicht der theatralischen Versatzstücke der Hypnose, um zu funktionieren; diese Versatzstücke geben dem Vorgang in den Augen mancher Leute nur mehr Legitimation.

Ein weiterer Bereich, in dem Hypnose beliebt ist, ist die Reinkarnationstherapie. Wenn man ihren Anhängern glauben darf, öffnet die Hypnose ein Fenster in das Unterbewusste, wo Erinnerungen an vergangene Leben gespeichert werden. Wie diese Erinnerungen an schon gelebte Leben in das Unterbewusste gelangen, ist unbekannt, aber ihre Vertreter sind lockere Anhänger einer Lehre der Reinkarnation, auch wenn diese Lehre weder den Glauben an das verborgene Unbewusste noch die Erinnerung an frühere Leben erfordert. Die wichtigsten "Belege" für frühere Leben basieren darauf, dass sich viele Menschen unter Hypnose an sie erinnern. Auch wenn diese Berichte überall veröffentlicht werden und nachweislich auf falschen Erinnerungen beruhen, mindert dies den Glauben an die Reinkarnationstherapie nicht.

Robert Baker hat jedoch demonstriert, dass der Glaube an Wiedergeburt der wichtigste Faktor ist, wenn man voraussagen will, ob eine Testperson (in diesem Falle aus einer Studentengruppe) eine Erinnerung an ein früheres Leben unter Reinkarnations-Hypnotherapie haben wird. Des weiteren zeigte Baker auf, dass die Erwartungen der Testperson die Sitzung entscheidend beeinflussen. Er unterteilte eine Gruppe von 60 Studenten in drei Gruppen. Den ersten teilte er mit, sie seien im Begriff, eine aufregende neue Therapieform kennenzulernen, die ihnen bei der Aufdeckung vergangener Leben helfen könne: 85 Prozent von diesen "erinnerten sich" erfolgreich an ein solches. Die zweite Gruppe erfuhr, sie werde eine Therapie kennenlernen, bei der es nicht sicher sei, ob sie Erinnerungen an frühere Leben ermögliche; die Erfolgsquote war hier 60 Prozent. Die dritte Gruppe allerdings bekam zu hören, die Therapie sei ein Hirngespinst und dass normale Menschen sich normalerweise nicht an ein früheres Leben erinnern. Hier hatten nur 10 Prozent der Studenten eine solche "Erinnerung".

Einige New Age-Therapeuten betreiben Reinkarnationstherapie getarnt als "inneres Wachstum", andere als Heilung. Es ist vermutlich mehr oder weniger harmlos, wenn man Menschen darin bestärkt, sich an wahrscheinlich falsche Erinnerungen aus früheren Leben in vergangenen Jahrhunderten zu "erinnern" oder sie dazu auffordert, in die Zukunft zu reisen und einen Blick nach vorne zu wagen; als Werkzeug für New Age-Pioniere ist diese Methode wahrscheinlich ungefährlich.

Anders sieht es bei ihrem Einsatz als Heilmittel aus: Es müsste auch den oberflächlichsten Therapeuten klar sein, dass große Gefahren darin liegen, Menschen bei der Erzeugung von Wahnvorstellungen noch zu bestärken. Einige falsche Erinnerungen sind vielleicht harmlos, aber andere können verheerend sein. Sie können das Leid eines Menschen verschlimmern und ebenso leicht die liebevollen Beziehungen zu Familienmitgliedern zerstören. Hypnose sollte also stets nur mit größter Vorsicht eingesetzt werden.

Übersetzung: Tobias Budke
MorgenWelt
, Hamburg, Germany

 

 

 

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Robert Todd Carroll
Last updated 02/21/09