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Robert Todd Carroll

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Elektrosmog

Elektromagnetische Felder (EMF) sind Bereiche, in denen von fließenden elektrischen Ladungen verursachte Kräfte wirken.

 Viele Menschen befürchten, dass EMF - im deutschsprachigen Raum häufig als "Elektrosmog" bezeichnet - Krebs verursachen. Eine ursächliche Verbindung zwischen diesen Feldern und Krebs ist bislang jedoch nicht nachgewiesen worden. Das National Research Council (NRC, US-Forschungsbehörde, AdÜ) hat mehr als drei Jahre lang über 500 wissenschaftliche Studien überprüft, die über einen Zeitraum von 20 Jahren erstellt worden waren. Es hat "keine schlüssigen und zuverlässigen Beweise" dafür gefunden, dass EMF Menschen schaden können. Der Vorsitzende des NRC-Komitees, der Neurobiologie Dr. Charles F. Stevens, sagte, die "Nachforschungen haben nicht in überzeugender Weise gezeigt, dass die in Haushalten üblichen EMF gesundheitliche Probleme verursachen, und ausführliche Labortests haben nicht ergeben, dass EMF Körperzellen auf eine Art schädigen können, die der Gesundheit des Menschen abträglich wäre."

Das New England Journal of Medicine veröffentlichte 1997 die Ergebnisse der umfangreichsten und detailliertesten Studie über EMF und Krebs, die jemals durchgeführt wurde. Dr. Martha S. Linet, die Leiterin der Studie, dazu: "Wir haben keine Beweise dafür gefunden, dass magnetische Felder in Haushaltsstärke das Risiko für Kinderleukämie erhöhen." Die Studie dauerte acht Jahre und befasste sich mit der Messung der Intensität, mit der Menschen Magnetfeldern ausgesetzt waren, die von in der Nähe befindlichen Starkstromleitungen erzeugt wurden. Eine Gruppe von 638 Kindern unter 15 Jahren mit akuter lymphoplastischer Leukämie wurde mit einer anderen Gruppe von 620 gesunden Kindern verglichen. "Die Forscher stellten Messungen über die Magnetfelder in allen Häusern an, in denen die Kinder in den fünf Jahren vor der Entdeckung ihrer Krankheit gelebt hatten, ebenso in den Häusern, in denen die Mütter während der Schwangerschaft wohnten."

Die Studie wurde kritisiert, weil es unmöglich sei, die genauen Feldstärken der EMF während dieser Zeit zu ermitteln: Sämtliche Messungen wurden nach dieser Zeitspanne durchgeführt, wobei stillschweigend angenommen wurde, die Feldstärken seien in der Vergangenheit nicht wesentlich anders gewesen als jetzt. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass irgend jemand jemals eine Kontrollstudie an Menschen durchführen wird, in welcher die Einwirkung elektromagnetische Felder systematisch von der Empfängnis bis zum Ende der frühen Kindheit dokumentiert wird.

Trotz dieser Studien glauben viele Menschen, dass das Wohnen in der Nähe von Stromleitungen oder der Gebrauch von Handys Krebs verursacht. Warum? Geschäftstüchtige Anwälte, die Massenmedien und der Mangel an wissenschaftlicher Bildung der Öffentlichkeit sind die Gründe.

Robert Pool schrieb 1990 im Fachblatt Nature, dass die öffentliche Meinung durch unwissenschaftliche Quellen wie das The New Yorker Magazine gegen EMF aufgebracht wurde. Ähnliches wurde Talkmastern wie Larry King vorgeworfen, der dem Publikum einen Witwer vorstellte, der den tödlichen Gehirntumor seiner Frau der Strahlung ihres Handys zuschrieb. Es kam zu einem Prozess, in dem der Beweis darin bestand, dass sich der Tumor in der Nähe ihres Ohres befand, an das sie normalerweise ihr Handy hielt. Die TV-Sender berichteten über die Angelegenheit und interviewten Wissenschaftler, um der Sache mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit zu geben. Da es jedoch keinen Wissenschaftler gibt, der jemals eine Verbindung zwischen EMF und Krebs entdeckt hat, wurde jemand interviewt, der bereits existierende Tumore solchen Feldern aussetzte. Dieser Forscher gab an, seine Untersuchungen wiesen darauf hin, dass Tumore schneller wüchsen, wenn man sie EMF aussetzte. Die Folge: Handyverkäufe gingen zurück und die Aktien der Herstellerfirmen fielen.

Der Umstand, dass Tumore unter EMF schneller wachsen, bedeutet freilich nicht, dass diese Felder Tumore verursachen, ob gut- oder bösartig.

Es ist zwar durchaus denkbar, dass Handys Gehirntumore verursachen, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering. Mobiltelefone strahlen EMF sehr geringer Intensität aus - weit geringer, als die Felder, die in dem erwähnten Versuch verwendet wurden -, und der Benutzer ist ihnen nicht permanent - wieder im Gegensatz zum genannten Versuch -, sondern nur unregelmäßig ausgesetzt. Es besteht also zwar die Möglichkeit, dass ein Mensch mit einem Gehirntumor bei Benutzung eines Handys ein gewisses Risiko eingeht, dass sein Tumor schneller wächst als normal - doch es gibt keine Beweise dafür, dass dieses Risiko wirklich existiert oder gar signifikant ist.

Anwälte, die Kläger vertreten, die ihre Krebserkrankungen auf Starkstromleitungen zurückführen, zitieren häufig aus einer schwedischen Studie, die eine Zunahme von 400 Prozent an Leukämiefällen bei Kindern feststellte, die in der Nähe solcher Leitungen lebten. Eine weitere Studie - von der University of Southern California - ermittelte ebenfalls erhöhte Leukämieraten bei Kindern, die in ähnlicher Lage wohnten. Robert Pool meint dazu:

 In der Studie wurden 232 Leukämiepatienten unter 10 Jahren und eine Kontrollgruppe untersucht, die man in Bezug auf Alter, Geschlecht und Ethnie angepasst hatte. Die Stärke der EMF, denen jedes Kind ausgesetzt war, wurde auf verschiedenen Wegen ermittelt. Es gab keine Korrelation zwischen dem Auftreten von Leukämie und der Feldstärke bei Einzelmessungen. Eine nicht signifikante Korrelation ergab sich zwischen dem Auftreten von Leukämie und der Stärke der magnetischen Felder, kontinuierlich gemessen über 24 Stunden. Eine signifikante Korrelation sah man allerdings zwischen der Feldtärke, ermittelt mit Hilfe eines speziellen Klassifikationsschemas für elektrische Leitungen ("wire coding") und dem Leukämierisiko. Die Gruppe mit der [nach diesem Schema bestimmten; Anm.d.Red.] höchsten Feldstärke hatte dabei ein 2,5faches Leukämierisiko. Man weiß nicht, inwieweit diese Unterschiede in den Korrelationen auf die Unterschiede in den Methoden zurückzuführen sind. Es ist möglich, dass einige Arten von EMF zu einem erhöhten Leukämierisiko führen können. Andererseits könnte die Methode des "wire coding" einfach empfindlicher sein. Bis man darüber besser Bescheid weiß, ist unklar, ob hohe elektromagnetische Feldstärken zu einem gesteigerten Leukämierisiko in Beziehung stehen.
(Robert Pool, "EMF-Cancer Link Still Murky", Nature, Bd. 349, Heft 6310 (14. Feb. 1991)

Wie Pool weiter ausführt, "gibt es zahlreiche wissenschaftliche Berichte von erhöhten Leukämieraten bei Menschen, die regelmäßig beruflich bedingt EMF ausgesetzt sind, etwa Hochspannungselektriker und Arbeiter in Aluminiumhochöfen."

Im Jahre 1992 wurden mehr als 200 Anklagen gegen Energieversorgungsunternehmen erhoben, in denen Elektrosmog ein Thema war. Bei den Stromlieferanten griff Panik um sich. Sie investierten bereits Milliarden von Dollar in Bemühungen, die Abstrahlungen ihrer Leitungen abzuschirmen. Dr. Robert Adair, ein Physiker an der Universität Yale, bezeichnet diese Reaktion als "Elektrophobie" und ist der Meinung, es bedürfe Feldstärken von mindestens dem 150fachen der in Schweden gemessenen, um ein Risiko darzustellen.

Doch die Anwälte werden weiterhin vor Gericht ziehen, auch ohne wissenschaftlich eindeutige Beweise. Denn die Standards bei der Beweiserhebung vor Gericht sind mit denen der Wissenschaft nicht zu vergleichen. So wurde etwa Judith Richardson Haimes aus Philadelphia vor einigen Jahren eine Million Dollar von einer Jury zugesprochen, die sich offenbar davon überzeugen ließ, Ms. Haimes habe ihre übersinnlichen Kräfte nach einer Computer-Tomographie verloren - ein Richter reduzierte den Betrag später auf einen Dollar, vermutlich immer noch 98 Cents mehr, als ihre Kräfte wert waren. "Man braucht nur ein oder zwei Treffer, und die Haie beginnen zu kreisen," meint Tom Ward, ein Anwalt aus Baltimore, der die Northeast Utilities Co. und ihren Ableger Connecticut Light & Power Co. wegen eines angeblichen EMF-Krebsfalles verklagt.

Es war schon bislang schwierig genug, ein Haus mit Leitungsmasten in der Nähe zu verkaufen, da sich die Leute an dem hässlichen Ausblick stießen. Doch das ist nichts gegen das Problem, dieses Haus loszuwerden, wenn die potentiellen Käufer Angst davor haben, von den hässlichen Masten Krebs zu bekommen!

Momentan gibt es in den USA Bestrebungen, alle Hochspannungsleitungen unterirdisch zu verlegen. Bedeutet das, auf Nummer Sicher zu gehen? Die Kosten sind zwar zwanzig Mal so hoch wie normal. Doch die Leitungen müssten eigentlich tiefer im Erdreich vergraben werden, als die Masten hoch sind, wenn ein merklicher Unterschied in der EMF-Abschirmung erzielt werden soll.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass der Normalbürger sich wegen der Hochspannungsleitungen irgendwelche Sorgen machen muss. Die meisten von uns kommen niemals nahe genug an sie heran, um von ihren Feldern in irgendeiner Weise beeinflusst zu werden. Und auch wenn sie in der Nähe sind, sind wir ihnen nicht direkt, unmittelbar und kontinuierlich ausgesetzt. Vermutlich ist die Gefahr - wenn es sie überhaupt gibt - durch die Verkabelung unserer Häuser und unsere elektrischen Geräte viel größer, als durch die Leitungen über uns.

Da die Energieversorgungsunternehmen jedoch Klagen fürchten, werden wir alle in Bälde vermutlich höhere Strompreise bezahlen müssen, um die Milliarden zu finanzieren, die das Vergraben der Leitungen kostet. Wenn die Unternehmen Prozesse verlieren, verlieren die Aktionäre Geld, und das gefällt ihnen gar nicht. Man sollte sich also nicht in die Irre führen lassen: Wenn die Leitungen wirklich unter die Erde verlegt werden, dann nicht, weil die Stromversorgungsunternehmen daran glauben, dass elektromagnetische Felder gefährlich sind - sondern weil diese Unternehmen Klagen und kostspielige Prozesse vermeiden wollen.

Anmerkungen des Übersetzers:
Im Grunde genommen unterscheidet sich die Diskussion um den Elektrosmog nur unwesentlich von derjenigen um die sogenannten "Erdstrahlen", nur dass in diesem Fall ein Phänomen nicht ganz und gar erfunden, sondern nur vollkommen übertrieben bedrohlich dargestellt wird.

Insbesondere der Mobilfunk macht zahlreichen Menschen Angst; anders als Radio- und TV-Sendestationen sind Mobilfunk-Basisstationen überall. Die hochfrequente Handy-Strahlung (zwischen 450 und 1900 MHz, je nach Netz) kann - bei älteren Handy-Modellen - zu Beeinträchtigung von Herzschrittmachern führen, was aber schon ab 25 cm Abstand zwischen Brust und Handy nicht mehr möglich ist. Handys neueren Datums (ab 1998) sind unbedenklich. Für Niederfrequenzquellen (etwa Stromleitungen) wurde bei einer Untersuchung auf Leukämieerkrankung im Kindesalter ein statistisch auffälliges Risiko in der Nähe von Hochspannungsle= itungen ermittelt, dessen Wert aber immer noch unter dem Risikowert lag, der sich aus starker Verkehrsbelastung oder niedrigem Sozialstatus ergab (da in den USA die Hochspannungsleitungen häufig mit den Verkehrswegen einhergehen, sind die Ursachen hier schwer zu isolieren). Einige Experimente an Ratten und Mäusen deuteten ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko hin, aber ihr Übertragungswert auf den Menschen ist mehr als zweifelhaft (Details dazu im Skeptiker, Heft 3/98, S. 89-96, www.gwup.org).

Die von manchen Menschen in Anspruch genommene "Elektrosensibilität" ist ebenfalls ein Mythos, der sich vermutlich aus der Mediendarstellung des Themas speist; sie hat immerhin ein paar Arbeitsplätze geschaffen: Sogenannte "Baubiologen" betätigen sich als High-Tech-Wünschelrutengänger. Prof. Dr. Peter Kröling von der Universität München führt die Elektrosmog-Hysterie auf mehrere Gründe zurück: Falschpositive Ergebnisse wohlmeinender, aber schlecht informierter Wissenschaftler, die sofort ihren Weg in die Medien finden, während negative Ergebnisse langweilig sind; Experten, die ihr Aufgabenfeld sichern wollen; den ungeschickten Umgang mit der Bevölkerung durch Vertreter der Energie- und Telekommunikationsunternehmen; Pseudoexperten, die aus der Umweltangst Kapital schlagen; die Medien; und Bürgerinitiativen, deren Mitglieder sich als David gegen Goliath gefallen.

Außerdem weist Prof. Kröling zu Recht darauf hin, dass selbst bei Vorhandensein eines minimalen Gesundheitsrisikos der Nutzen etwa von Handys dieses immer noch tausendfach übersteigen würde. Kröling: "Täglich gehen derzeit über die Notruffunktion allein in Deutschland mehrere tausend Anrufe ein. Ich möchte es angesichts von weltweit 200 Millionen Handybesitzern der Phantasie des Lesers überlassen, wieviele Menschen dieser Technologie bereits Gesundheit und Leben zu verdanken haben."
 
Übersetzung: Tobias Budke

MorgenWelt, Hamburg, Germany

further reading

Edwards, Diane D. "Cells Haywire in Electromagnetic Field?," Science News, v. 133, n. 14 (April 2, 1988).

Livingston, James D. Driving Force: The Natural Magic of Magnets (Harvard University Press, 1997).

Pool, Robert. "EMF-Cancer Link Still Murky," Nature, v. 349, n. 6310 (Feb 14, 1991).

Pool, Robert. "Is there an EMF-cancer connection?," Science, v. 249, n. 4973 (Sept 7, 1990), pp. 1096-1099.

Richards, Bill.  "Elusive Threat: Electric Utilities Brace for Cancer Lawsuits Through Risk is Unclear/ Companies Spend on Cutting Electromagnetic Fields as Lawyers Smell Blood," The Wall Street Journal, February 5, 1993, p. 1.

Sagan, Leonard A. "EMF Danger: Fact or Fiction?," Safety & Health, v. 145, n. 1 (Jan, 1992), pp. 46-49.

 

 

 

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Last updated 02/21/09